Es ist noch gar nicht lange her, da hatte ich euch hier auf dem Blog vorgestellt, welche Fortschritte unser Neuer, der Filo, seit der Übernahme von Eriks Posten bereits nach wenigen Wochen erreicht hat. Lobende Worte zu meiner empathischen Beschreibung erreichten mich daraufhin. Der Filo selbst schüttete das Füllhorn seines Dankes über mich aus. Alles sei hundert Prozent richtig dargestellt. So was freut einen Autor natürlich. Auch dass mein Bericht ein Foto enthielt, worauf unser Protagonist zu sehen ist, wie er beim Kaninhop unsanft über das Hindernis fällt, erregte keinerlei Widerspruch, denn es stimme ja, dass er für den Sport der Flying Hoppers kein Talent mitbringe und auch allgemein nichts für Sport übrig habe. Er sei mit seinen Erkundungsfahrten im Pött-Pött-Pött vollauf zufrieden, hieß es herzerfrischend fröhlich und sehr überzeugend.
So weit, so gut. Nun hat sich aber bekanntlich der Karlsson über besagtes Foto lustig gemacht. Ausgerechnet der Karlsson! Der Gutsherr! Der große Organisator des Anwesens! Filos Vorbild (zusammen mit dem Luke) als Leitfigur für Souveränität und wirtschaftlichen Erfolg! Seitdem nagt die – sicherlich freundlich gemeinte – Neckerei an Filos Selbstverständnis. Kann sich ein Unternehmer heute noch leisten, unsportlich zu sein? Sei es nicht viel mehr so, dass man seinen beruflichen Ehrgeiz auch in der Überwindung körperlicher Grenzen zeigen müsse? Ganz zu schweigen von der Außenwirkung, denn wirtschaftlicher Erfolg ziehe die Medien an und mit den Medien gehe das öffentliche Urteil über die Vorbildwirkung einher. Der Filo meint, ihm sei schlagartig klar geworden, dass er nicht demnächst als gemütlicher (und womöglich pausbäckiger) Inhaber einer Weltfirma auf dem Titelblatt der „Times“ erscheinen möchte. Vielmehr will er einen Sport angeben können, den er beherrscht und den er ausübt, sobald er im zugehörigen Interview nach den Säulen seines Daseins gefragt werde.
Tja. Ich wusste nicht recht, was ich antworten sollte, als mir der Filo am Telefon von seinen Gedanken erzählte. Ehrlich gesagt hatte ich den Karlsson und den Luke ganz anders in Erinnerung. Die beiden und sportbegeistert? Hatte ich was übersehen?
„Na doch! Der Karlsson geht regelmäßig mit seinem Papa auf Terrierturniere. Du weißt schon, so was, wo man im Wald Fährten erriecht und Schätze findet. Und der Luke hat sein Bay Watch. Dafür muss er täglich trainieren.“
Jo. Allmählich kam mir der Verdacht, dass die beiden neulich auf meiner Geburtstagsparty ganz schön übertrieben hatten, als sie sich unserm Jungunternehmer vorstellten. Und jetzt haben wir den Salat. Der Filo ist beseelt von dem Gedanken, sich auch einen Sport zu suchen, natürlich einen, für den er Talent mitbringt und der ihn gut aussehen lässt.
Systematisch ist er vorgegangen, so viel kann ich schon mal verraten: alles einmal ausprobieren, ohne Berührungsängste, ohne Publikum. Der Mörßel musste helfen, denn da sich alles vorzugsweise früh morgens oder spät abends abspielen sollte, waren entsprechende Termine zu buchen oder Schlüssel zu besorgen für den individuellen Einlass. Der Mörßel hat beste Arbeit geleistet. Und der Filo beeindruckte durch seine Beharrlichkeit. In kürzester Zeit hat er in fast 20 Sportarten reingeschnuppert. Ich weiß das, weil ich dabei war. Ich habe die Fotos geschossen. Sie sind ein einzigartiges Zeugnis unternehmerischen Pioniergeists.
Ich fand, der Mörßel hatte ganz recht, als er vorschlug, erst mal dort anzusetzen, wo der Filo aufgehört hatte. Denn vielleicht lag das Problem ja gar nicht an den Hürden selbst, sondern nur an der Art, wie man sie bewältigt. Ein entsprechender Untergrund, der das Springen übernimmt, könnte hier vielleicht Abhilfe schaffen. Und ich sag noch: „Sitzen bleiben! Festhalten!“

Es wurde Zeit, das Element zu wechseln. Frischer Anfang, neues Glück. Der Filo hat weder das Seepferdchenabzeichen noch anderweitige Berührungspunkte mit dem Wassersport. So weiß ich bis heute nicht, ob er hier das Schwimmen übt oder das Tauchen:
Eine Mannschaft kann helfen, einen aufzufangen, wenn man mal durchhängt. Der Filo ist sehr dankbar, dass er eine Probestunde im Vereinsachter mitfahren durfte. Ihn fasziniert der Gleichklang der Bewegungen, die absolute Synchronizität, die so weit geht, dass alle Teammitglieder bei der Arbeit sogar den gleichen Gesichtsausdruck aufsetzen. Danach hatte er Muskelkater und für den Rest des Tages eine Gesichtslähmung:
Wie schön, dass Wasser so vielfältig ist. Man kann es auch sehr viel ruhiger angehen. Viele schwören auf den meditativen Charakter des Angelns:
Schließlich kann man es noch mit einem anderen Aggregatzustand probieren. Dass das Eis zum Wintersport gehört, ist zwar eine gewisse Einschränkung, aber heutzutage kein Hindernis mehr. Es gibt gut gepflegte Eishallen. Für den Mörßel ist der Paarlauf das Größte: diese Eleganz, diese Harmonie, dieses lautlose Gleiten nach schönen Melodien! Bestimmt dachte er an die Fendy, wie sie geschmeidig durch die Luft wirbelt und sicher in seinen Armen landet. Gerade als er fertig war mit seiner Schwärmerei, machte es plumps, der Filo landete auf dem Hintern und rutschte wie ein Teddy, den man aufs Eis gesetzt und einen Schubs gegeben hatte, langsam in einer imposanten Bananenform gegen die Bande. Ihm wäre der Sport sowieso zu kalt, hat er gesagt.
Apropos Fendy. Von ihr kam der Vorschlag fürs Aerobik. Man erinnere sich: das Workout der 80er Jahre; das Schweißband war Pflicht. Nein, Mannschaftssport ist nichts für den Filo:
Also zurück zum Pferd. Nur weil man einmal eine schlechte Erfahrung gemacht hat, muss es nicht heißen, dass es so bleibt. Der Rausch der Geschwindigkeit beim Pferderennen sollte eigentlich dem Filo entgegenkommen, schließlich liebt er seine Ausflüge mit dem Pött-Pött-Pött (na ja, ihr wisst schon, was ich meine), doch leider wollte der „Gaul“, wie er das Rennpferd nannte, nicht in Fahrt kommen, so sehr er auch „Hü“ rief und am Zügel ruckelte. Der Funke wollte einfach nicht überspringen:
Vielleicht wäre der Kampfsport eher was für ihn. Machen wir's kurz. Am Boxen missfällt dem Filo das Brutale:
Beim Judo sei die Bekleidung viel ästhetischer, das sei schon mal ein Pluspunkt, aber abgesehen davon verstehe er den Sport nicht ganz. Erst müsse man bei der Begrüßung die Köppe gegeneinander hauen …
… und dann werde man ohne Vorwarnung aggressiv auf die Matte gelegt. Wie fies sei das denn?
Weiter zum Ballsport. Wer's nicht ausprobiert, wird nie erfahren, ob er Begabung mitbringt. Okay, Baseball ist ein Nieschenterrain, nicht sehr populär in Deutschland, und man benötigt ein gutes Timing, um den Ball rechtzeitig wegzuschmettern. Den blauen Fleck über der Nase hat man Gott sei Dank im dichten Fell nicht gesehen:
Ursprünglich hatte niemand Golf auf der Vorschlagsliste, weder der Mörßel noch ich noch der Filo selbst, denn dafür schien mir der Filo noch zu jung. Man sagt ja nicht umsonst, dass Golf der Sport für ältere Leute sei: leichte Bewegungen, gelenkschonend, zwischendurch ein bisschen spazieren gehen, keine große Anstrengung, und ob der Ball im Loch lande, sei im Grunde nebensächlich. Ich bin mir nicht sicher, ob der Filo diese positiven Aspekte ebenso zu schätzen wusste. Vielleicht fehlte dem Ganzen dann doch ein wenig das Salz in der Suppe:
Weil der Filo unbedingt in die Luft wollte (dieser Raum war noch unerkundet), ist der Mörßel mit ihm am Wochenende ins Erzgebirge gefahren. Dort kann man klettern. Der Trainer hat alle Teilnehmer mit Equipment versehen und für den Start in die Wand gehängt. Dort ist der Filo bis zum Nachmittag geblieben, ohne sich einen Millimeter zu bewegen. Nachdem man ihn schließlich wieder abgepflückt und nach unten getragen hatte, hatte der Filo einen Sonnenbrand und keine guten Worte für den Sport übrig: wie langweilig! Immer die gleiche Aussicht! Und dann der Hunger! Bestimmt wäre er in Ohnmacht gefallen, wenn er nicht zufällig ein Snickers dabeigehabt hätte.
Den Sprung aus dem Flugzeug hat er dann wieder in der Heimat gemacht, wie man unschwer an der Landschaft erkennt. Ein abschließendes Urteil steht noch aus, aber ich denke, der Filo ist zu bodenständig, als dass er gern öfters selbigen verlassen würde. Glücklicherweise hatte er einen Tracker dabei, denn im Pril hinter dem Steinhuder Meer hätten wir ihn sonst nie gefunden. Der Mörßel und ich waren im Pött-Pött-Pött hinterhergefahren. Schade, dass wir die Landung nicht sehen konnten, denn die ist doch ein Höhepunkt beim Flugsport.
Also zurück auf den Boden. Hier war noch längst nicht alles ausgereizt. Filos Jubel war herzerwärmend, als die Speerspitze den Rasen traf. Ich bin sehr stolz, dass ich diesen emotionalen Moment einfangen durfte:
Gehört das Gewichtheben eigentlich zur Leichtathletik? Nee, nicht? Oder? Wir dachten, dass die Kraft vielleicht den Filo zu sportlichem Erfolg tragen könnte, nachdem wir so was wie Geschicklichkeit oder Mut bereits abgefragt hatten. Ich fand seinen Einstieg gar nicht so schlecht, habe mir aber von Experten sagen lassen, dass für die wirklich internationalen Siege an der Technik gearbeitet werden müsse.
„Welche Technik?“, hat der Filo gefragt.
„Mehr die Arme lang lassen und dann mit einem Ruck das Ding über den Kopf stemmen.“
Als er das Wort „Kopf“ hörte, meinte er, da wäre er raus.
An dieser Stelle hat der Mörßel wissen wollen, ob der Filo überhaupt noch Lust verspüre zum Weitermachen, denn er sei ja schon ein paar Tage dabei und bisher sei offenbar noch nicht das Richtige dabei gewesen.
„Klar! Warum nicht?“, kam als Antwort.
Bewundernswert, seine Ausdauer. Möglicherweise sollte man sowieso eher in der Nähe suchen als in der Ferne. Es existieren ja noch Sportarten, für die man weder ein Studio noch eine bestimmte Vorbereitung braucht. So ein Sport ist auch viel besser in einen vollgepackten Alltag zu integrieren. Einfach das Rad geschnappt, den Helm aufgesetzt und schon kann es losgehen. Wir haben den Filo in den Deister begleitet. Ich wusste gar nicht, dass es dort so bergig ist. Wir standen oben mit der Stoppuhr. Ziemlich lange standen wir dort. Stundenlang. Bis wir ihm entgegengegangen sind. Wir fanden ihn am Straßenrad. Er saß dort neben seinem Fahrrad und mampfte ein Gurkensandwich. Was denn passiert sei, wollten wir wissen.
„Och, total doof“, kam als Antwort. „Erst ging es noch vorwärts den Hang hinauf, dann ist das Fahrrad plötzlich stehen geblieben und schließlich langsam und dann immer schneller zurückgerollt. Mit so einem Schrottgerät kann ich nicht arbeiten.“
Trotzdem ist der Filo noch in der gleichen Nacht zu einem Nordic-Walk-Marsch aufgebrochen. Im Deister gibt es auch gute Wanderwege. Die Dunkelheit hatte er gewählt, weil er dann völlig ungestört sei. Zu Hause haben wir die Route am PC nachverfolgt über einen anderen Tracker, den wir ihm vorsichtshalber heimlich an den Anorak geklemmt hatten, damit er uns nicht verschütt ginge. Es hat geklappt, aber wir hätten ihn gar nicht gebraucht. Am nächsten Morgen beim Hellwerden war der Filo wieder da. Er habe sich sehr gelangweilt, hat er gesagt. Immer nur Tannen, Bäume, Tannen und wieder Bäume. Zu wenig kultureller Input. Und die Eulen hätten auch nicht mit ihm reden wollen, als er sie mit „Horrido!“ begrüßt habe.
Na, dann blieb ja eigentlich nur noch eins: der Sport in den eigenen vier Wänden. Der Vorschlag kam von der Fendy. Man kann dem Filo nicht vorwerfen, dass er nicht allseits und überall sein Bestes gegeben hätte. Entsprechend engagiert hat er sich auch dem Yoga gestellt:
Und nun? Mit tut der arme Kerl leid. So viel Schweiß und so viel Hoffnung. Vielleicht hat ja noch jemand eine Idee, wie man ihm helfen könnte. Es tut mir in der Seele weh, einem hoffnungsvollen Jungunternehmer derart die Zukunft verdunkelt zu sehen, und das nur, weil ihm eine kleine unbedachte Bemerkung den Zweifel ins Denken gepflanzt hat. Aber nicht, dass mir jetzt einer mit Motorsport kommt. Darum hat die Luna gebeten – eindringlich. Das Motorrad gehöre ihr und sie gedenke es nicht zu teilen, basta! Das muss man respektieren. Ich bin jedenfalls ganz schön kaputt. Es war anstrengend als Feldfotograf. Ich musste die Kamera halten UND gleichzeitig dem Speer ausweichen.
Fotos KI-generiert unter Verwendung von Originalfotos (Filo: © K. R.) von Chatgpt und Gemini.
© Boff
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