Sechs Wochen Filo

Es wird Zeit, einen Blick auf unsern Neuzugang zu werfen. Voller Elan hatte sich der Filo Ende März in die Arbeit gestürzt, hatte Eriks Erbe angenommen und mit der Hilfe vom Mörßel und von der Luna erste Schritte auf dem ungewohnten Terrain gewagt. Wie steht es inzwischen mit den Firmen Push! und Öhry Möhry? Und was sagen die Flying Hoppers zu ihrem neuen Mitglied? Jetzt nach sechs Wochen freue ich mich, erste Ergebnisse präsentieren zu dürfen. Nicht nur geht es stramm voran, sondern es sind auch Änderungen eingeführt worden, Dynamiken, die deutlich die Handschrift des neuen Chefs tragen und die in eine verheißungsvolle Zukunft weisen. Seht selbst.

Die größte Neuerung betrifft das Verstauen der Verkaufsware. Mit den Kartons im Wohnzimmer ist nun Schluss. Der Filo hat eine Lagerhalle angemietet, wo er jetzt ungestört vom dudelnden Fernseher der Family die Logistik steuern kann. Er ist sehr froh darüber. Im Wohnzimmer war es zu eng, zu unruhig und zu indiskret. Man sollte seine Millionen nicht zwischen Bügelbrett und Chipstüten machen, lautet seine Devise. Die Family weiß den Raumgewinn inzwischen sehr zu schätzen, nachdem sie noch beim Erik diesbezüglich nicht hatten loslassen können. Endlich ist es möglich, unterm Couchtisch die Füße ausstrecken, ohne gegen einen Karton zu stoßen. Herrlich!



So ganz ausgedient hat das Wohnzimmer allerdings noch nicht. Dort wird nämlich noch die Umkleidekabine genutzt – und das in einem erfreulichen Maße. Die Nachfrage ist ungebrochen. Jeder will einen Push-Pullover. Das nötige Knowhow für den Verkauf hat sich der Filo in kürzester Zeit angeeignet. Der Mörßel sagt, wenn nicht die Stimmen unterschiedlich wären, könnte man glatt meinen, den Erik säuseln zu hören. Auch der Filo beherrscht die Kunst der Einfühlung und der überzeugenden Produktwerbung, so als hätte er sie aus dem Kindergarten mitgebracht. Er ist ein wahres Verkaufstalent.



Obwohl die Pullover sehr gut gehen, hat der Filo das Sortiment inzwischen erweitert. Er meint, eine Marke dürfe nicht stehenbleiben, sondern müsse neuen Produkten eine Chance geben. Daher vertreibt Push! nun auch Strickhosen. Sie benötigen noch etwas Werbung, aber die ersten Rezensionen sind bereits sehr vielversprechend. Man lobt die Qualität, die Verarbeitung und das geschmackvolle Design. Strick-Bermudas sind der absolute Renner. 


 
Nicht ganz so reibungslos läuft es leider mit den Likörverköstigungen. Man kennt das Problem vom Erik: undisziplinierte Kunden, Saufexzesse, prekäre gesundheitliche Abstürze. 
 
 
 
 
Hier hätte der Filo gewiss noch ein wenig mehr Übung gebrauchen können, um Sicherheit zu gewinnen, doch um keine Abwanderung zu riskieren, hatte er die Termine an den Wochenenden sehr schnell wieder aufgenommen – zu schnell vielleicht. So manches Mal hat er den Mörßel anrufen müssen, der dann kurzfristig anreiste, um der Kundengruppe nach Veranstaltungsende den Weg ins Freie zu weisen und versprengte Schnapsleichen unterm Tisch hervorzukehren. Noch fehlt es dem Filo an der nötigen Abgebrühtheit, um hier selbst tätig zu werden. Ich glaube, im tiefsten innersten seiner Seele ist der Bursche ein Ästhet. Vor Rohem schreckt er zurück. Aber die Verköstigungen bringen nun mal ordentlich Kohle, und die liegen zu lassen, das widerstrebt seinem Geschäftssinn. Sehe ich hier eine neue Karriere für den Mörßel als Türsteher? 

Um sich besser vorzubereiten, hat der Filo – wie damals schon der Erik – einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Er kann jetzt Blindschleichen in die stabile Seitenlage bringen und Maulwürfen die Kotztüte hinhalten. 


 
Das Stethoskop hat die Family ihm geschenkt. Es verleiht ihm eine gewisse Würde, ist im Kundenkontakt aber ziemlich hinderlich. Unten im Weinkeller greift nämlich so mancher Besoffski danach und versucht sich daran hochzuziehen. Ist alles schon vorgekommen. Vielleicht wird der Filo noch einen Sanitätskurs dranhängen. Den kann man immer gebrauchen und sei es als Notfallbegleitung bei den Flying Hoppers.

Apropos. Selbstverständlich hat sich der Filo eingehend mit der Vereinsgeschichte und der Bedeutung der Flying Hoppers auseinandergesetzt. Er findet es richtig, dass sich Geschäftsleute sozial engagieren, am besten im heimischen Umfeld. Was liegt da näher, als sich auch hier an das zu halten, was für den Erik bereits gute Tradition darstellte? Leider sind erste Versuche, sich mit der sportlichen Seite des Vereins anzufreunden, gescheitert. Obwohl der Bursche jung, wendig und kraftvoll ist, sind ihm trotz mehrmaliger Versuche beim Kaninhop keine Erfolge gelungen. Offenbar gehört doch mehr dazu, als einfach über ein Stückchen zu springen. Unser Freund ist zu dem Ergebnis gelangt, dass dies nichts für ihn ist. Er möchte sein Engagement anders gestalten.

 

Filo ist nun Geldgeber. In dieser Funktion wurde er in der April-Sitzung offiziell vorgestellt. 


 
Wie genau er sich einbringen möchte, ist noch nicht entschieden. Angedacht sind die Anschaffung von Trainingsutensilien wie Hindernissen und Trillerpfeifen in Möhrchenform oder ein neuer Innenanstrich für das in die Jahre gekommene Vereinsheim. Die Flying Hoppers treffen sich in einer Holzhütte im Kleingartengebiet „Gurkenglück“. Vom Mörßel weiß ich, dass der Filo an eine repräsentativere Adresse denkt. Vielleicht sei noch was im Celler Schloss frei, wo man sich einmieten könne, heißt es aus unbestätigter Quelle. 

Nun ja, dass unser Freund hoch hinaus will, sollte ja inzwischen klar geworden sein. Wenn neben all den Verpflichtungen noch Zeit bleibt, steht er in der Küche und experimentiert mit neuen Produkten. Manchmal hilft die Luna ihm dabei. Im Augenblick arbeiten sie an einem neuen Brotaufstrich. „Möhrella“ soll er heißen, irgendwann mal, wenn er in Produktion geht. Nuss-Nougat war gestern, behauptet der Filo, die Zukunft gehört dem Wurzelgemüse. 



O-ha! Ob es ihm gelingen wird, dieses Tempo aufrechtzuerhalten? Man bedenke das Pensum: Karottenpampe wird gekocht, Froschhöschen werden entworfen. Dazwischen machen Likörflaschen die Runden und finden Pullover ihre Abnehmer. Die Flying Hoppers sind jetzt fester Bestandteil in Filos Notizkalender, die Family möchte auch etwas von ihm haben und wir als Reise- oder zumindest Feiergruppe rechnen ebenfalls mit seiner treuen Anwesenheit. Es würde mich nicht wundern, wenn bereits das Burnout wartete, obwohl der Alltag noch gar nicht recht in der Routine angekommen ist. Es sind ja gerade mal sechs Wochen seit dem Einzug vergangen. Ein Ausgleich muss her, dringend.
„Den hab ich doch“, heißt es prompt.
So? Wo denn? Wie denn?
„Na, hier!“
 
 
 
Mit dem Pött-Pött-Pött unternimmt der Filo größere und kleinere Ausflüge in die Umgebung, wann immer er sich frei machen kann. Seine neue Heimat zu erkunden, macht ihm viel Spaß, und am Steuer zu sitzen, bringt ihm Erholung. Manchmal fährt er auch die Flying Hoppers zu ihren Gastauftritten, so wie es auch für den Erik selbstverständlich war, aber meistens ist er allein unterwegs. Den Führerschein hat er ja kürzlich erst bestanden. Die Umlackierung vom ursprünglich gelben Pött-Pött-Pött zu Orange ist eine Anspielung auf die Farbe der Mohrrübe. Mit ihr will er seine Weltkarriere starten. Ich bin gespannt. Ein Knöllchen hat er schon. 
 
 

Fotos: KI-generiert von Chatgpt. Originalfotos von Erik und Luna: © K. R.

© Boff 

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Meine Freunde und Kumpels (und ich)

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