Unser Alltag: Cora und Paule
Die Cora ist bodenständig, verantwortungsvoll, mütterlich, empathisch und weise. Das alles ist der Paule nicht. Trotzdem kommen die beiden gut miteinander klar. Man arrangiert sich. In all den Jahren der Wohngemeinschaft weiß man schließlich, mit wem man es zu tun hat. Allerdings ist, glaube ich, die Cora familiär ein bisschen aktiver, so dass unterm Strich der Paule mehr von ihr profitiert als umgekehrt. Ihm kommt zum Beispiel sehr zugute, dass die Cora durch die harte Schule der Fendy gegangen ist, was Kosmetik und Lifestyle betrifft. Zuvor war dieser Boden lange Jahre von der Mia beackert worden. So ausgerüstet kann das Wissen mittlerweile gut auf individuelle heimische Bedürfnisse angewendet werden.
Darüber hinaus war es der Cora zu verdanken, dass der Paule schnell wieder an Gewicht verlor. Wie man auf dem Foto sieht, hatte er zwischenzeitlich ordentlich Speck angesetzt. Woher das kam, weiß ich nicht genau, weil alles, was mit dem Knallenbirnenheim zusammenhängt, wie in einen Nebel getaucht ist. Niemand spricht darüber, am allerwenigsten der Paule selbst. Ich weiß bis heute nicht, warum diese Aufenthalte notwendig sind. Aus meiner Sicht ist der Paule kerngesund, - allenfalls etwas verhaltensauffällig -, aber immer puppenlustig drauf, egal ob er gerade kurz vor der Einweisung steht oder soeben entlassen wurde. Möglicherweise wird daher der Kurerfolg weniger am Patienten selbst gemessen, sondern an seiner Familie, die ja irgendwie einen Nutzen daraus ziehen muss. Jedenfalls war der Paule von seinem letzten Aufenthalt sehr moppelig zurückgekehrt. Wie er selbst verriet, störte ihn das bei der Anbahnung amouröser Kontakte. Die Cora hat ihn auf eine Gurkendiät gesetzt: 3 x täglich eine Salatgurke (ohne Salz und Pfeffer) und abends einen Klecks Magerquark für den Eiweißhaushalt. Inzwischen ist das Idealgewicht wieder erreicht. Der Paule kann sich jetzt wieder in voller Pracht der Damenwelt an die Brust wanzen.
Coras wahre Bestimmung aber ist im Zoo zu finden. Hier lässt sie ihr Herzblut, hier ist sie mit Leib und Seele dabei. Regelmäßig besucht sie die Häftlinge, bringt ihnen Geschenke, hört ihnen zu, tröstet die Trauernden und berät die Vernünftigen. Da sie dies ehrenamtlich macht, bekommt sie kein Geld dafür. Unsere Reisekasse quittiert es mit Magengrummeln. Das findet die Cora überhaupt nicht lustig: Man müsse auch mal was für die Gesellschaft tun, sich engagieren, brüllt sie dann in den Telefonhörer, dass einem der Kopf zur Seite fliegt. Der Respekt der Beschenkten und das dankbare Leuchten in ihren Augen sei Dank genug. Basta!
Darüber hinaus backt die Cora Kuchen für die Kirchengemeinde, ebenfalls ehrenamtlich. Ihre Donauwellen sind stadtberühmt. Manch ein Schaf oder Waschbär kommt von weit her und versucht sich unter die Gäste zu schleichen. Es sind Fälle bekannt, wo sich Leute als Donald Duck und Daisy verkleidet hatten, um ans Kuchenbüfett der Kindergartengruppe „Alle meine Entchen“ zu gelangen. Inzwischen probiert sich die Cora auch an mehrstöckigen Torten aus. Dafür braucht man einen sehr ruhigen Flügel, sonst steht einem das Ding hinterher schief.
Als dritte und jüngste ehrenamtliche Tätigkeit hilft die Cora einmal im Monat im Lager des Vereins „Donate your Hustensaft“. Dort werden Medikamente gesammelt und an Bedürftige in Tierheimen und an wohnungslose Katzen gespendet. Selbstverständlich handelt es sich dabei ausschließlich um noch komplett ungeöffnete Ware. Die Cora protokolliert die Eingänge, stellt neue Mischungen zusammen und verpackt alles in Kartons. Jetzt weiß ich auch, woher die ganzen Vorräte in ihrer Handtasche stammen. Wenn jemand von uns auf der Reise unpässlich wird, kann man sicher sein, dass die Cora die passende Tablette parat hat. Ist ja auch was wert, dieser Service, keine Frage, aber ich sag nur eins: Reisekasse!
Doch, ja, eine Tätigkeit ist tatsächlich darunter, die Geld abwirft. Gott sei Dank. Die Cora verkauft noch immer ihre Unterwäsche. Wer es nicht weiß: Wir Papageien tragen flauschige, weiße Federchen unter unserem Deckgefieder. Richtig vermarktet bringen sie ordentlich was ein. Man kann die Ware für Kissenfüllungen nutzen, damit basteln, Frau Holle spielen oder sein Nest damit auspolstern. Man muss der Kundschaft ja nicht verraten, dass es sich um ein Abfallprodukt handelt, denn die Federchen lösen sich von allein und sinken als Verschmutzung zu Boden. Man braucht sie nur aufzufegen, dann vielleicht noch kurz dampfreinigen und ab geht’s in die Tüte zum Versand. Auch diese Tätigkeit erledigt die Cora gewissenhaft und mit großem Erfolg. Die Reisekasse freut's.
Falls es aber noch nicht deutlich geworden sein sollte, hier vorsichtshalber ein wichtiger Hinweis: Der Paule hat noch nie was für uns ausgegeben, keinen müden Cent! Ja, er ist ein Schmarotzer, er profitiert von unserer Gutmütigkeit oder erscheint ohne Einladung zu unseren Partys. Da allerdings seine Unterwäsche ebenfalls zu Hause herumwirbelt und die Cora alles zusammenkehrt, was sich anbietet, kann man zumindest behaupten, dass der Paule INDIREKT zu unserem Reisekomfort beiträgt. Ihm selbst ist das völlig egal. So ist das bei unsoliden Leuten.
Gibt es einen Beruf, der „Nichtsnutz“ heißt? Falls ja, dann wäre der Paule Innungsvorsitzender mit Doppeldoktor und Professur. Ich habe auch gegoogelt, ob „Schwerenöter“ eine Berufsbezeichnung ist. Aber alles, was ich finden konnte, bezieht sich auf private Aktivitäten. Dass sich manche Männer von der Damenwelt magisch angezogen fühlen, hat ja erst mal nichts mit Finanzen zu tun. Und dass manche ihre Freundinnen wechseln wie andere ihren Schlafanzug, zieht genauso wenig betriebswirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Aber wie nennt man es dann, womit der Paule seine Zeit verbringt? Ich fürchte, die Antwort ist simpel: nichts tun. Und wie finanziert er das? Keine Ahnung.
Ich weiß nur, dass der Paule sehr oft am PC sitzt. In vielen Dating-Apps ist er Mitglied. Dort knüpft er erste Kontakte.
Gibt es einen Beruf, der „Nichtsnutz“ heißt? Falls ja, dann wäre der Paule Innungsvorsitzender mit Doppeldoktor und Professur. Ich habe auch gegoogelt, ob „Schwerenöter“ eine Berufsbezeichnung ist. Aber alles, was ich finden konnte, bezieht sich auf private Aktivitäten. Dass sich manche Männer von der Damenwelt magisch angezogen fühlen, hat ja erst mal nichts mit Finanzen zu tun. Und dass manche ihre Freundinnen wechseln wie andere ihren Schlafanzug, zieht genauso wenig betriebswirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Aber wie nennt man es dann, womit der Paule seine Zeit verbringt? Ich fürchte, die Antwort ist simpel: nichts tun. Und wie finanziert er das? Keine Ahnung.
Ich weiß nur, dass der Paule sehr oft am PC sitzt. In vielen Dating-Apps ist er Mitglied. Dort knüpft er erste Kontakte.
Ein andermal ist es Kino …
Zwischenlurch liegt der Paule auf dem Sofa mit den Füßen auf dem Tisch, einem Schnäpschen und Pralinen griffbereit und ein paar heißen Gassenhauern auf den Ohren. Viel mehr macht er nicht - und das den ganzen Tag, 365 Tage im Jahr.
Fortsetzung folgt.
Fotos. KI-generiert von Chatgpt unter Verwendung von Originalfotos von Cora und Paule: © G. H.
© Boff











Kommentare
Kommentar veröffentlichen