Luna, Karlsson und ich in Barcelona


 
 
Jawohl, wir waren dort, letztes Wochenende, aber nicht zum Urlaub machen, sondern zum Arbeiten.  

Wie man weiß, hält der Karlsson Vorträge. Jeder, der ihn hören will, kann ihn engagieren. Bisher dachte ich, dass er nur über den 53er Buick Skylark, seinen Herzenswagen, zu erzählen wüsste, doch inzwischen ist seine Kenntnis über Oldtimer so weit gediehen, dass er problemlos auch Interessantes über andere Fahrzeugtypen (besonders ohne Dach) zum Besten geben kann. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass man ihn erstmalig auch ins Ausland eingeladen hat. In Barcelona fand nämlich eine große internationale Auktion von historischen Autos statt. Und der Karlsson sollte dort vor Publikum sprechen.
„Ui, du als Gutachter?“, habe ich gestaunt.
„Nö“, hat er abgewinkt. „Ich bin nur fürs Beiprogramm gebucht. Ich soll die Leute mit schönen Bildern und Nettigkeiten über allerlei Fords und Benz und Maseratis unterhalten. Nichts Aufregendes, aber ich krieg alles bezahlt und die Kohle für einen eigenen Manager habe ich sogar auch noch rausgeschlagen.“


Zu Hause traf ich auf Unverständnis.
„Manager? Du?“, hat die Fendy mich angeblafft.
Sie war ja nur neidisch, dass sie nicht mit durfte. Barcelona ist eine klangvolle Adresse. Dort kann man viele edle Handtaschen bewundern, teures Parfüm ausprobieren und endlos Fotos produzieren, mit denen sich dann der Insta-Kanal vollknallen lässt. Doch der Karlsson hatte von Anfang an klargestellt, dass diesmal leider niemand sonst daran teilhaben dürfe, da es sich, wie gesagt, um eine reine Geschäftsangelegenheit handele und unbefugte Begleitung ihn außerdem aus der Konzentration bringe. Schließlich stünde man an der Schwelle zu internationalem Ruhm.

„Du darfst das ja gar nicht“, hat die Fendy weiter gestänkert.
„Was?“
„Allein verreisen ohne mich. Die Putze wird das nie erlauben.“
„Nun hör mal zu!“, musste ich jetzt größere Geschütze auffahren. „Wenn du einen Ton petzt, dann ist dein Teichheini das letzte Mal bei uns gewesen. Dafür werde ich sorgen, dass der hier nie wieder auftaucht.“

Wie erwartet, ist die Tussi ganz schnell eingeknickt. Richtig kleinlaut wurde sie. Und sie hat fortan dichtgehalten. Der Putze habe ich gesagt, dass ich übers Wochenende zum Erik nach Celle ziehe. Bei dem gibt’s ja immer was zu helfen, Likörflaschen etikettieren, Push-Pullover falten, zwischen den Kartons im Wohnzimmer staubsaugen oder das Druckerpapier nachlegen. Leider hat sich in seiner Family bis heute niemand bereit erklärt, seinen Job aufzugeben, um dem Unternehmen eine dauerhafte Hand zu reichen. Besonders die Seniorchefin, die früher wenigstens nach Dienstschluss noch bis in die Nacht gestrickt hatte, glänzt inzwischen durch sorglose Abwesenheit. So hat man immer eine glaubhafte Ausrede für ein wasserdichtes Alibi. Die Worte „Celle“ und „Erik“ greifen immer. 

Na ja, so ganz stimmt es allerdings nicht, dass wir nur zu zweit nach Barcelona aufgebrochen sind. Die Luna hat sich uns angeschlossen – ebenfalls aus rein geschäftlichen Gründen, sonst hätte der Karlsson niemals zugestimmt. Bei der Gelegenheit könne man nämlich endlich höchstpersönlich im benachbarten Lloret de Mar vorbeischauen, um zu prüfen, ob es sich weiterhin lohne, die Sauf-Reisen fürs Party-Klientel anzubieten. Zwar erfreuten sich die preisgünstigen Angebote besonders bei jugendlichen Waschbären und Lurchen großer Beliebtheit, seien inzwischen aber überholt worden vom Ansturm auf den bulgarischen Goldstrand. Den Flug bezahlte die Luna selbstverständlich aus eigener Tasche, an der Unterkunft im Hotelzimmer plus Frühstück beteiligte sie sich anteilig.

Am Samstag früh morgens ging's los.

Auf dem Flug nach Hamburg


... und weiter nach Spanien

 

Der hier war natürlich auch dabei: bestens gelaunt in siegesgewisser Vorfreude.

 



Wir kamen vormittags an. Am Flughafen wurden wir von einem Mann mit einem Schild, auf dem „Señor Karlsson“ stand, abgeholt. Das Taxi brachte unser Gepäck zum Hotel, während wir direkt zum Veranstaltungsort gefahren wurden. Vom Fenster im zweiten Stock konnten wir  die vielen schicken alten Autos sehen, die zur Versteigerung anstanden. Das Chrom blitzte in der Sonne und Menschen liefen auf dem umzäunten Platz umher, um sich die Schätze genauer anzuschauen. Der Karlsson wurde ganz sentimental bei dem Angebot. Ein sehnsuchtsvoller Schleier legte sich über seinen Blick. Wie angewurzelt blieb er stehen, tief atmete er ein und schnaubend wieder aus. Ich als sein Manager fühlte mich zum Eingreifen veranlasst.
„Ist es noch weit bis zum Vortragssaal?“, fragte ich den Jüngling, der inzwischen unsere Begleitung übernommen hatte.
Die Luna wartete unterdessen geduldig mit den Armen in die Hüften gestemmt. Ihre Fahrt nach Lloret de Mar war erst für den späten Mittag angekündigt. 

Vor Ort inspizierte ich die Bühne, pickte ins Mikro, ob Geräusche herauskämen, und sagte den Handwerkern, dass sie das Licht bitte so ausrichten sollten, dass der Stargast warm umflutet werde, denn so kämen seine blonden Locken am besten zur Geltung. Viel mehr blieb nicht zu tun, denn der Vortrag war für Glockenschlag Punkt angesetzt und das war schon sehr bald. Der Saal füllte sich mit allerlei Publikum. Ich setzte mich mit der Luna in die erste Reihe.
 
Dann ging's los. Ich weiß noch, dass ich den Karlsson zu Hause gefragt hatte, ob er denn genug Spanisch spreche, um den sicher hohen Erwartungen gerecht zu werden.
„Ach was!“, hat er abgewinkt. „Das kriege ich hin, mach ich mit links.“

Und so war's dann auch. Der Karlsson war perfekt vorbereitet. Weltgewandt hat er ein Spanisch hingelegt, das ich nur staunen konnte. Den Rest machten die tollen Fotos, die hinter ihm an die Leinwand geworfen wurden.



Ich konnte nicht anders. Ich musste zwischendurch immer wieder applaudieren, obwohl der Karlsson noch gar nicht am Ende angekommen war. Hinterher sagte die Luna zu mir, dass sie nur nicht eingegriffen hätte, weil man es sowieso nicht gehört habe, wenn ich meine kleinen Flügel zusammenschlug. Allenfalls sei es ein bisschen windig gewesen, aber keinesfalls störend. Ich lege Wert auf die Klarstellung, dass ich meinen Applaus sowohl als Manager als auch als Freund gespendet habe. 



Als nach etwa einer Stunde alles gesagt und gezeigt war, verbeugte sich der Karlsson und wir verließen den Saal, um uns dem geselligen Teil zu widmen. Die Luna dampfte ab mit einem Taxi zu ihrem Geschäftstermin nach Lloret. Der Karlsson und ich gingen erst mal was essen.


Männerteller


Anschließend stand Sightseeing auf dem Programm. Was schaut man sich als Tourist in Barcelona an? Richtig – die Sagrada Familia. 

Ich finde dieses Geschnörkel an dem hohen schlanken Gebäude ausgesprochen imposant. Ob man auf den Turm steigen kann, habe ich gar nicht erst in Erfahrung bringen können, denn dem Karlsson ist schon vor der Tür schlecht geworden. Was habe ich auf den Kerl eingeredet – mit meinem lieblichsten Gezwitscher. Er solle doch mal daran denken, wie prima er hier versuchen könne, endlich seiner Höhenangst Herr zu werden. Schließlich seien wir hier unter uns, kein störendes Weib in der Nähe, alles ganz privat und absolut diskret, egal, ob er im Treppenhaus ohnmächtig werde, auf die Stufen kotze oder mit dem Kopf gegen eine Wand laufe. Nichts dergleichen würde jemals an die Öffentlichkeit gelangen. Dafür gäbe ich ihm mein Wort. Und mal ganz ehrlich: Wann wiederhole sich so eine günstige Gelegenheit? Na? Los, komm schon, du Held, hoch mit dem Hintern und rauf auf die Stufen!

Aber ich konnte machen, was ich wollte, der Karlsson blieb hart. Rein in die Kirche ist er mit mir noch gegangen, doch hoch auf den Turm – never ever!

 



Wir sind noch ein bisschen herumgelaufen, haben uns treiben lassen vom Fluss der Großstadt. Besondere Orte, die wir unbedingt sehen wollten, waren nicht darunter, abgesehen natürlich von den Oldtimern auf dem Auktionsgelände, die der Karlsson ja noch gar nicht hatte streicheln und liebkosen können. 
„Nö“, habe ich gesagt. „Dorthin kehren wir erst zurück, wenn du vorher den Turm der Sagrada Familia raufgestiegen bist.“
Also blieb es beim Zentrum von Barcelona mit seinen geschäftigen Straßen und kleinen Cafés, wo man leckeres Eis bekam.

Gegen Abend wurde die Luna zurückerwartet. Wir hatten einen Treffpunkt an einer Straßenkreuzung ausgemacht, an der sie schon stand und auf uns wartete.
„Na, wie war's?“, haben wir uns erkundigt.
„Gut“, kam als Antwort. „Der Ort bleibt im Programm. Das Hotel bietet jetzt im Poolbereich eine extra breite Rutsche an. Eigentlich ist sie für korpulente Menschen gedacht, sie eignet sich aber bestens für Nilpferd- und Elefantenyoungster, sofern sie kein Fell mitführen – Hygienevorschrift. Das wird ein Hit werden im neuen Katalog. Ich bin sehr froh.“ 

 
Lloret de Mar: ein bisschen voll, aber sehr hübsch gelegen

 

Schön, dann war das also auch erledigt. Wir gingen essen. Da wir uns in Spanien befanden, schlug die Luna ein typisches Landesgericht vor. Wir bestellten Paella. Ich war beeindruckt von diesem Vorschlag, weil sie unterwegs sonst immer nur Salat und anderes Knackzeug futtert. Bei genauer Betrachtung blieb es allerdings dabei. Der Karlsson kriegte das Meeresgedöns und die Luna und ich taten uns am vegetarischen Part, dem Reis, gütlich. Er war deutlich gewürzt, vor allem mit Knoblauch. 


 
 
Anschließend fuhren wir mit dem Taxi ins Hotel. Wir machten uns frisch. Die Luna ließ sich ein Schaumbad ein. Der Karlsson und ich spielten unterdessen ein paar Runden Mau-Mau. 


Die Luna hat bestimmt nichts dagegen, dass ich sie so ... äh ... entspannt zeige


Eigentlich hätten wir in eine Bar gehen wollen, was Nettes trinken, doch als die Luna flauschig und frisch aufgebürstet vorm Bett stand, meinte sie, sie sei recht erschlagen von dem ereignisreichen Tag und habe gar keine Lust, noch mal loszuziehen. Der Karlsson und ich schauten uns an: Wenn wir es uns recht überlegten, stand uns auch nicht der Sinn nach einer Kneipentour. Sofort machte sich eine überaus relaxte Atmosphäre breit. Wir ließen den Zimmerkellner kommen mit ein paar lecken Getränken und was zu knabbern. Ich schaute nach, was der Streaming-Dienst an Filmen zu bieten hatte. Nach längerer Diskussion entschieden wir uns für „Poltergeist II“, einen Geisterfilm-Klassiker, wie man weiß. Dann schüttelten wir die Kissen auf und machten es uns bequem.

 



In der Nacht habe ich ein bisschen unruhig geschlafen. In fremden Betten kommen einem ja leicht komische Gedanken, dabei war es nur Karlssons Arm, der im Dämmerlicht herumwedelte, weil der Karlsson draufgelegen hatte und der Arm jetzt kribbelte. Als ich mich an die Luna kuscheln wollte, drehte sie sich einfach um. Ich bin trotzdem rechtzeitig vom Wecker wachgeworden.

Nach dem Frühstück mit Büfett und Croissants und Kakao und Obstsalat und Mettwurst (je nach Gusto) wurden wir mit dem Taxi zurück zum Flughafen gefahren. Ich als Manager hatte keine weiteren Tätigkeiten auszuführen, da bereits alles geklärt war. 
„Ich hab meine Kohle“, hat der Karlsson gesagt. „Lasst uns aufbrechen.“
Dem war nichts hinzuzufügen. 

Gegen Mittag kamen wir in Hamburg an. Grauer Himmel, Schneematsch und kalter Wind empfingen uns. So schön solche kurzen Städtetrips auch sind, besonders in klimatisch angenehmen Gefilden, irgendwie fehlt einem was. Ich komme nur nicht darauf, was es ist. Coras Schlucksprechterei kommt jedenfalls nicht in Frage:

 


Micky Bonapartes Weigerung, sich nützlich zu machen, ebenfalls nicht:

 


 

 Und Fendys Parfümgemiefe erst recht nicht:

 


 Oder doch? 


Fotos: Barcelona, Lloret de Mar: Pixabay
           Originale der KI-generierten Fotos:  Karlsson: © Terrierhausen 
                                                                      Luna: © K. R.
                                                                      Cora: © G. H.
                                                                      Micky Bonaparte: © Club der glücklichen Vierbeiner
 
 
© Boff 

Kommentare

  1. Das war eine sehr gelungene Reise. Gerne spreche ich auch über mein Lieblingsboot - die Riva - und andere Sportboote. Grüße von Dr. Karlsson, Gutsherr

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    1. Ja, mach mal, am besten auf Madagaskar. Dann komme ich mit als dein Manager.
      Sind Riva und Rivale eigentlich Zwillinge? Hihihi.

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  2. Und deine Un-Schwester konntest du mal abschütteln, super!!

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    1. Ja, aber es hat mich doch mehr gekostet als die brutalen Drohungen. Ich bin jetzt äußerst klamm. Trotzdem habe ich nicht in die Reisekasse gegriffen. Das möchte ich hier ausdrücklich gesagt haben. Andererseits war's mir den Aufwand wert. Herrlich, mal so ganz ohne Atembeschwerden von dem ollen Parfüm einen wunderbaren Männerausflug erleben zu dürfen, nicht wahr? Du hast es doch auch genossen. Wir beide wissen, wie schön das Leben sein kann.

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  3. Die Reise war ein voller Erfolg. Seit ich zurück bin, komme ich gar nicht mehr hinterher mit der Betreuung der Buchungen nach Lloret de Mar. Kennt ihr eventuell jemanden, der sich als Reisebegleitung für eine Horde Nilpferde eignet? Der 13. Jahrgang des Happy-Hippo-Gymnasiums hat eine Abireise in das Hotel gebucht, welches ich neu im Programm habe.
    Grüße von Luna, Unternehmerin mit Weltsicht

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    1. Hinsichtlich der Reisebegleitung würde ich mal googeln, ob man einen Säbelzahntiger mieten kann.

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Meine Freunde und Kumpels (und ich)

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